Gewandhaus-Quartett: Biographie

Frank-Michael Erben, Violine I
Conrad Suske, Violine II
Olaf Hallmann, Viola
Jürnjakob Timm, Violoncello

 
Es ist die älteste, ohne Unterbrechung existierende Streichquartettformation überhaupt. Mit seiner fast zweihundertjährigen Geschichte verkörpert das Leipziger Gewandhaus-Quartett ein beachtliches Stück abendländischer Musikgeschichte. Schon bald nach seiner Gründung im Jahre 1809 durch den damaligen Gewandhauskonzertmeister Heinrich August Matthäi entwickelte sich das Ensemble, dessen Quartettabende sofort ein lebhaftes Echo in der Öffentlichkeit fanden, zu einem festen Bestandteil des Leipziger Konzertlebens und darüber hinaus zu einem Glanzpunkt sächsischer Musiktradition. Seit jenem Jahr setzte das Quartett seine Konzerttätigkeit – von Generation zu Generation sich erneuernd – bis zum heutigen Tag erfolgreich fort.

Im 19. Jahrhundert waren es besonders Ferdinand David, dem Mendelssohn sein Violinkonzert widmete, und Joseph Joachim, der das Violinkonzert von Brahms uraufführte, die als Mitglieder den Musizierstil des Gewandhaus-Quartetts entscheidend prägten. Die heutige Besetzung, die sich traditionell aus den Konzertmeistern, dem Solobratscher und dem Solocellisten des Leipziger Gewandhausorchesters formiert, setzt das Erbe dieser einzigartigen Institution fort.

Zu den rund 100 Uraufführungen des Ensembles, die oft in Anwesenheit oder sogar unter Mitwirkung der Komponisten erfolgten, gehörten ehemals Werke von Felix Mendelssohn Bartholdy, Robert Schumann, Antonín Dvorák, Max Bruch und Max Reger. Auch heute widmet sich das Quartett neben den Repertoireklassikern insbesondere der zeitgenössischen Musik. In jüngster Vergangenheit brachte das Ensemble die Komposition “Deciso” des Leipziger Komponisten Olav Kröger sowie Günther Kochans Klavierquintett im Leipziger Gewandhaus zur Uraufführung.

Das Gewandhaus-Quartett musizierte im Laufe seiner Geschichte mit so namhaften Musikern wie Clara Schumann, Johannes Brahms, Edvard Grieg und Arthur Nikisch. Diese Tradition setzt sich heute in einer Zusammenarbeit mit international renommierten Solisten wie Yo-Yo Ma, Menahem Pressler oder Sabine Meyer fort. Neben regelmäßigen Auftritten im Leipziger Gewandhaus (das Quartett gestaltet dort eine eigene Kammermusikreihe), gaben die vier Musiker gefeierte Gastspiele in Europa, Japan, Argentinien und den USA. Das Gewandhaus-Quartett konzertierte in Privataudienz vor dem japanischen Kaiser Akihito sowie dem britischen Thronfolger Prinz Charles.

Den großen internationalen Ruf des Ensembles dokumentieren zahlreiche Schallplattenaufnahmen. Von der aktuellen Besetzung wurden bereits mehrere CDs bei NCA eingespielt: darunter eine CD mit Werken von Haydn, Schostakowitsch, Strawinsky und Prokofieff sowie eine Aufnahme mit Schumann- und Mendelssohn-Streichquartetten, die das Gewandhaus-Quartett seinerzeit zur Uraufführung brachte. Für die Gesamtausgabe der Streichquartette Beethovens wurde das Gewandhaus-Quartett mit dem Jahrespreis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.
Die japanische Fernsehgesellschaft NHK produzierte mit dem Ensemble Klassik-Filme mit Streichquartetten von Haydn, Beethoven, Schubert und Mendelssohn Bartholdy.

FRANK-MICHAEL ERBEN wurde 1965 in Leipzig geboren. Bereits als Fünfjähriger erhielt er ersten Violinunterricht und wurde mit sieben Jahren in die Leipziger Musikhochschule “Felix Mendelssohn Bartholdy” aufgenommen. Während seines Studiums gastierte er als Solist mit dem Gewandhausorchester und wurde 1987 (22-jährig) zu dessen 1. Konzertmeister gewählt. Unter Dirigenten wie Neville Marriner, Kurt Masur oder Herbert Blomstedt spielte Frank-Michael Erben Violinkonzerte von Mozart, Beethoven, Mendelssohn, Tschaikowski und Sibelius.
Als CD Produktion mit Frank-Michael Erben als Solisten erschien bisher Sarasates “Carmen-Fantasie” sowie das Violinkonzert von Felix Mendelssohn Bartholdy als DVD Produktion. Beides begleitet vom Gewandhausorchester unter Kurt Masur. Sein Repertoire umfasst heute etwa 25 Solowerke mit Orchesterbegleitung aus drei Jahrhunderten. Seit 1993 ist er der Primarius des Gewandhaus-Quartetts.

CONRAD SUSKE wurde 1958 in Leipzig geboren. Er studierte 1971 bis 1981 an den Musikhochschulen in Berlin (Hans Eisler) und Leipzig (Felix Mendelssohn Bartholdy) in den Fächern Violine und Kammermusik als Meisterklassenschüler. Seit 1981 ist er Mitglied des Gewandhausorchesters Leipzig und wurde 1984 zu dessen stellvertretendem 1. Konzertmeister gewählt. Neben seinen Orchesterverpflichtungen tritt Conrad Suske regelmäßig mit verschiedenen deutschen Pianisten im Duo auf. Seit 1989 ist er Mitglied im Gewandhaus-Quartett und seit 1993 Mitglied des Orchesters der Bayreuther Festspiele.

OLAF HALLMANN wurde 1959 in Leipzig geboren. Mit 7 Jahren erhielt er ersten Geigenunterricht und nahm 1977 sein Violinstudium bei Prof. Dietmar Hallmann auf. Es folgte der Wechsel auf die Viola, mit der er 1981 den zweiten Preis beim Viola-Wettbewerb in Markneukirchen errang. 1981 schloss er sein Studium ab und wurde Mitglied des Gewandhausorchesters Leipzig. Außerdem wurde er von 1981-1985 Mitglied des Neuen Bachischen Collegium Musicum Leipzig. Seit 1993 ist er Solobratscher im Gewandhausorchester und seit 1995 Mitglied im Gewandhausoktett, mit welchem er zahlreiche Konzerte unter anderem in Spanien und Japan gab. Er geht einer umfangreichen kammermusikalischen Tätigkeit in verschiedensten Besetzungen nach.

JÜRNJAKOB TIMM wurde 1949 in Neubrandenburg geboren. Er studierte von 1965 bis 1970 an der Leipziger Musikhochschule “Felix Mendelssohn Bartholdy”, an welcher er danach noch eine dreijährige Aspirantur absolvierte. Jürnjakob Timm ist Preisträger mehrerer internationaler Cellowettbewerbe. Das Gewandhausorchester wählte ihn 1973 zum 1. Solocellisten. Ebenfalls 1973 wurde Timm Mitglied im Gewandhaus-Quartett. Als Solist spielte er mit vielen Orchestern in Deutschland, Europa, Japan, Südamerika und in den USA. Besonders häufig trat er als Solist auf Reisen des Gewandhausorchesters unter Leitung von Kurt Masur in Erscheinung. Stationen waren unter anderem Festivals wie der Prager Frühling, das Brahms-Festival, das Schleswig-Holstein-Festival, das Ann Arbor-Musikfestival. Jürnjakob Timm wurde für seine Lehrtätigkeit an der Leipziger Musikhochschule 1988 zum Professor ernannt. Außerdem wirkt er seit 1993 als 1. Solocellist im Orchester der Bayreuther Festspiele.

Stand: 18. August 2011